Ab und an mal innerlich den Wohnort wechseln

Kirche traf Politik, Wissenschaft und Technik in der Stabkirche zu Hahnenklee

Kirche zu Fragen der Zeit – Umkehr statt Durchstarten? – so lautete das Thema des Bußtaggottesdienstes in der Stabkirche zu Hahnenklee mit anschließender Diskussionsrunde am Mittwochabend. Kirche einmal anders erleben, diese Intention verfolgt Dr. Sybille Fritsch-Oppermann, Pastorin für Tourismus, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit in der Region Oberharz, mit wechselnden Veranstaltungen in einigen evangelischen Kirchengemeinden. „Mein Herz hüpft – Buße hin, Buße her“, erklärte diese lächelnd ob der vielen Gäste aus ganz verschiedenen Kirchengemeinden. So ging es in der Predigt schließlich um Hoffnung, Schuld, Vergebung und den Mut für einen neuen Anfang. In der besonderen Kulisse dieser einzigartigen Kirche norwegischer Bauweise, die Ziel vieler Wanderer ist, war es Zeit, inne zu halten und ins Nachdenken zu kommen. Dazu trug auch der Gesang der Ökumenischen Kantorei Clausthal bei. „Es reicht nicht, sich nur einmal zu versöhnen – sondern ein Leben lang. Das ist schwer, das kann ich leicht von der Kanzel sagen“, erklärte Pastor Dr. Heiner Wajemann und lud die vielen Teilnehmer zum Nachdenken ein: „Wir sollten ab und an mal innerlich den Wohnort wechseln. Innehalten, umdenken und vielleicht etwas verändern.“  Nach einer kleinen Stärkung bei Wein und Käse ging es bei einer Gesprächsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne und Dr.-Ing. Michael F. Jischa vom Institut für Technische Mechanik der TU Clausthal thematisch in die Tiefe. „Wir leben in einer sich rasant entwickelnden Welt. Das wirft Fragen auf: Was hat sich bewährt? Geht es voran? Wenn wir die Menschen bei großen Entscheidungen nicht mitnehmen, dann ist es eine Frage der Zeit, bis wir eine Rückwärtsrolle machen müssen“, erklärte Kühne, der auch ein Gesundheitszentrum in Northeim betreibt. „Es gab vier Gutenberg-Revolutionen: 1. Die Sprache, 2. Maße, Schrift und Zahlen, 3. Der Buchdruck und 4. Die Digitale Revolution. Und letztere überfordert uns in hohem Maße“, ging Jischa noch einen Schritt weiter. Zudem wurden thematisch der Club of Rome, die Energiewende, der Holismus, der Buddhismus in Japan sowie weltweit und die Frage, ob es mehr Volksabstimmungen geben sollte, aufgegriffen. „Sehen Sie, Luther schon ganz rot geworden, wieviel Religion und wieviel Welt hier diskutiert wurden“, scherzte Fritsch-Oppermann und zeigte auf die rote Luther-Figur links von sich. In jedem Fall sei „mehr Buße“, Diskussion und Innehalten bei einer Folge-Veranstaltung im Februar angedacht. Wer nicht so lange warten möchte, für den veranstaltet die Pfarrstelle für Tourismus, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit Region Oberharz im Kirchenkreis Harzer Land am Donnerstag, 1. Dezember, um 17.30 Uhr in der Maria-Magdalenen-Kirche in Wildemann eine musikalisch-poetische Adventsandacht bei Kerzenschein und Glühwein. Zu hören sein werden Texte und Gedichte passend zur Weihnachtszeit, Orgel- und Trompetenklänge, Gesang, Violine und Klarinette. Die Teilnahme ist frei, Spenden sind willkommen.

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *