Wenn die Kirche zum großen Konzertraum wird

Alte Geschichte mit neuen Texten, oder auch: Historischer Klang für moderne Ohren

MESSIAH-Projekt in Northeim: St. Sixti Northeim, Gymnasium Corvinianum, Vision Kirchenmusik, Orchester und Solisten machen gemeinsame Sache

Die Schüler stehen im Turmraum der St. Sixti-Kirche. Von Dunkelheit umhüllt. „Sind alle da?“, fragt Kreiskantor Benjamin Dippel in die Stille. „Dann kann ich ja gehen. Genießt den Raum…“, spricht er verheißungsvoll und verschwindet ins Innere der Kirche. Kurz darauf erklingen seine Worte durch den Lautsprecher. Er stellt das Oratorium MESSIAH vor, um das sich am Donnerstag und Freitag die Projekttage im Northeimer Corvinianum-Gymnasium drehten. „Dieses besondere Werk der Barockzeit  von Georg Friedrich Händel wurde 1742 in Dublin uraufgeführt. Er hat in nur 24 Tagen 47 Musikstücke komponiert“, erläuterte Benjamin Dippel bei einer musikalischen Kirchenführung – nach oben zur Orgel, in die Büßerkammer, rüber zum Taufstein, zum Kirchenschiff und Altarbereich – an der Jugendliche der Kurrende St. Sixti und des Religionskurses teilnahmen. Auch Silke Lindenschmidt von VISION KIRCHENMUSIK, neben St. Sixti und dem Corvinianum weiterer Kooperationspartner dieses Projektes, verfolgte mit Spannung, wie die Schüler immer mehr in Abschnitte dieses Oratoriums mit Bibeltexten in einer englischsprachen Zusammenstellung von Charles Jennens abtauchten. „Besonders an diesem Projekt ist die interdisziplinäre Arbeitsweise: Die verschiedenen Kurse Musik, Deutsch, Religion und Kunst schauen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf das Werk“, erklärt Lindenschmidt. Für die Messias-Kenner besonders spannend: Die historischen Texte werden von den Schülern ins Zeitgenössische übertragen. Szenenwechsel. Aus der Aula ist laute Klaviermusik und Gesang zu hören. Musiklehrer Thomas Constien probt mit dem Schulchor einige Stücke des Messias. „Und gleich nochmal…“, bricht er lachend ab, als ihm die Tonlage selbst zu hoch wird. Erneuter Szenenwechsel. Die AG Schreiben mit Referent Prof. Paul Brodowsky aus Berlin, der Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Uni Hildesheim studierte, ist in der ersten Etage des Gemeindehauses gerade eifrig dabei, sich mit dem Libretto des Oratoriums auseinander zu setzen und neue Texte zu entwickeln, die nicht nur die alten Inhalte in Bezug zu zeitgenössischer Literatur setzen, sondern auch die Alltagsrealität der Jugendlichen aufgreifen: Lern-Marathon für das Abitur, Fiebern auf den Abiball – und dann? Das sind unter anderem die Themen, die heute beschäftigen. Und im Erdgeschoss wird an den Vorbereitungen für den Einführungsabend gearbeitet: Elemente wie Impulsfragen für Besuchergespräche, Word-Clouds und Hörstationen werden entwickelt. Auch der Kunstkurs ist mit Feuereifer bei der Sache: Unter Anleitung von Lehrerin Almut Larkin werden Plakatentwürfe vorbereitet. Am Freitag wurde außerdem gefilmt: Aus dem Material soll ein Vorab-Trailer entstehen, der neugierig auf den „großen Abend“ macht. „Wir werden ein Riesen-Konzert mit Orchester in der Kirche aufführen“, verkünden die Schüler begeistert.

Etwa 90 Jugendliche der 7. bis 12. Klassen sind in das MESSIAH-Projekt involviert. Sie fiebern schon jetzt Sonntag, dem 11. Dezember, entgegen, wenn um 17 Uhr das große Oratorium für Solisten, Chor und Orchester in der St. Sixti-Kirche aufgeführt wird, für das sie bis dahin eifrig proben werden. Mit dabei sind neben der Kurrende und der Kantorei St. Sixti natürlich der Schulchor des Corvinianum und das Barockorchester „la festa musicale“. Neugierig geworden? Am Donnerstag, 8. Dezember, wird es einen Einführungsabend für alle Interessierten geben. Nummerierte Platzkarten für das Konzert sind ab dem 15. Oktober in der Buchhandlung Papierus, Breite Str. 7, Telefon: 05551/3375 in Northeim erhältlich. Kinder und Schüler haben freien Eintritt.

Weitere Informationen zum Einführungsabend der Schüler und zum Konzert in St. Sixti Northeim unter www.sixti-northeim.de.

Auftrag für die Evangelische Landeskirche Hannover

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