galerie Wandern, Bergpredigt und deftige Erbsensuppe

Berggottesdienst auf der Hanskühnenburg

 

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„O Wandern! Wandern! Wie ist’s schön, durch Felder und Wälder zu schweifen. Im Frührot auf lust’gen Höh’n den Saum der Wolken zu streifen!“ – die erste Zeile dieses Gedichts von Albert Traeger könnte das Motto des Berggottesdienstes am Sonntag auf der Hanskühnenburg gewesen sein. Wenn nicht das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Aber Harzer lassen sich ja schwer unterkriegen, deshalb wanderten neun Teilnehmer mit Pastor Gerhard Bergner morgens nach dem Reisesegen in der mit Kerzen stimmungsvoll erleuchteten Michaeliskirche unerschrocken das Kirchtal hinauf. Im Harz gibt es schließlich kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung. So kam die kleine Gruppe, zu der auch einige Lauterberger gehörten, schnell miteinander ins Gespräch – genoss aber auch die Stille des Waldes und die Zeit, in der der Nieselregen pausierte. Zwei Stunden später, nach gut sieben Kilometern oben angekommen, wurden die Wanderer von dichtem Nebel empfangen. Und im Gasthaus vom flackernden Kaminfeuer und dem Duft nach deftiger Erbsensuppe. Wandern – ist das heute noch modern? „Wieder! Gerade bei Jüngeren ist das Wandern in Mode gekommen“, waren sich die Wirtinnen der Hanskühnenburg, Ines Hammer und Nina Plümer, einig. „Auch viele Mountainbiker sind im Harz unterwegs – und gar nicht rücksichtslos, wie ihnen oft nachgesagt wird“, ergänzte Jens Plümer. Auch das Angebot, einen Gottesdienst auf 811 Metern Höhe zu veranstalten, wurde gut angenommen. Mehr als 30 Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Orten hatten sich trotz des regnerischen Wetters eingefunden.  Und auch der Kleinbus der Nationalparkverwaltung, der den Weg von Lonau zur Hanskühnenburg ansteuerte, ist inzwischen mit den Senioren oben angekommen.

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„Wir machen das alle zwei Jahre – dazwischen ist der Gottesdienst an der Wassertretstelle an der Reihe. Gottesdienste in Lonau waren schon immer stark mit der Natur verbunden“, erklärte Gerhard Bergner, der nicht nur Pastor in Lonau, sondern auch in der Christus-Kirche in Herzberg ist. Dann kann er ja losgehen, der Berggottesdienst, den Franziska Lagg, Mascha John und der Pastor selbst musikalisch begleiten. Als Bibeltext gibt es einen Teil aus der Bergpredigt zu hören und auch die Lieder wurden passend zur heutigen Kulisse ausgewählt. „Im Nationalpark darf alles nach Herzenslust sprießen. Gott hat sich den Luxus erlaubt, selbst das Unkraut mit einer besonderen Schönheit auszustatten“, predigte Bergner. „Die Sorgen bleiben unten im Tal – und das dürfen sie auch. Lasst sie nicht euer Leben bestimmen. Es gibt einen Gott, der sich um uns kümmert“, schloss er. Inzwischen war der Nebel gewichen und zaghaft zeigte sich die Sonne. Wer nicht wieder mit dem Bus ins Tal hinabfuhrt, sollte später aber doch noch eine heftige Dusche abkriegen.

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