„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

b_300_0_16777215_00___images_stories_com_form2content_p21_f3765_403.jpgWillkommenskultur: Uta Liebau, Vorsitzende des Vereins „Leben in der Fremde“, über Flüchtlingshilfe und Integration

Die Küche von Uta Liebau in einer alten Jugendstilvilla in Goslar vermittelt Geborgenheit. Auf dem Tisch stehen Kaffee, Tee und Wasser, daneben eine Schale mit dunkelroten Kirschen. „Bedienen Sie sich“, sagt die Vorsitzende des Vereins „Leben in der Fremde“ lächelnd. Sie weiß um die heimelige Wirkung ihrer Küche, deshalb finden Gespräche mit Flüchtlingsfamilien immer hier statt. „In meiner Küche hat keiner Angst.“

Bereits 1986 wurde der Verein ins Leben gerufen. Die etwa 30 ehrenamtlichen Mitglieder setzen sich für die Ausländer- und Flüchtlingsarbeit im Landkreis Goslar ein. „So richtig aktiv sind allerdings acht“, ergänzt die 61-Jährige. Sie helfen Flüchtlingen und anderen Mitmenschen, die als Fremde in Deutschland Startschwierigkeiten haben und daher auf Unterstützung angewiesen sind – durch Beratungen, Rechtshilfe, Betreuung und persönlichen Beistand. „Erst muss das Vertrauen gewonnen werden. Dann gehen wir auch mit in die Schulen oder nach Hause.“

„Kirche kann da viel mehr machen“

Da die Kommunen kein Geld haben und keine Sozialarbeiter stellen können, wäre die Flüchtlingshilfe ohne Ehrenamtliche undenkbar. „Es geht nur über die vielen Menschen, die sich einsetzen wollen – aber die müssen dann auch gehört werden“, findet Liebau. Sie wünscht sich als Kirchenvorstandsmitglied in ihrer Gemeinde außerdem, dass die Kirche mehr Initiative ergreift. „Statt auf engstem Raum in Zelten schlafen zu müssen, sollten lieber die Gemeinderäume genutzt werden. Kirche kann da viel mehr machen und sollte von sich aus aktiv in den Kommunen mithelfen.“ Liebau geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn wir so viel über Nächstenliebe reden, müssen wir auch handeln und zusammenrücken. Kirche muss glaubwürdig bleiben.“

Die Goslarerin ist außerdem der Meinung, dass die Unterbringung von Flüchtlingen auf engstem Raum in überfüllten Unterkünften nicht sein müsste. Sie sieht die Politiker in der Pflicht, stärker Stellung zu beziehen. „Deutschlandweit und besonders in unserer Region steht so viel Wohnraum leer. Deshalb plädiere ich dafür, Flüchtlinge dezentral unterzubringen – nur so kann eine Integration stattfinden.“

Deutsche Kontakte wichtiger als ein Lebensmittelladen vor Ort

Der Verein habe mit der Einstellung „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ schon viel bewirken können. „Meistens habe ich mit Abschiebe-Fällen zu tun. Mit Gesprächen und teilweise auch Unterschriften-Aktionen konnten wir bisher noch jede Abschiebung verhindern“, so die Bilanz von Uta Liebau. „Wir brauchen dringend junge Leute und Fachkräfte – warum schieben wir sie ab?“, fragt sich die Theologin und dreifache Mutter, die sich ehrenamtlich und in Vollzeit für den Verein Leben in der Fremde und das Schicksal der zahlreichen Flüchtlinge einsetzt.

Beeindruckt ist sie davon, wie gut die Integration in manchen Dörfern funktioniert. „Da hilft die ganze Dorfgemeinschaft, holt die Flüchtlingsfamilien mit dem Bulli vom Bahnhof ab, stellt ihnen die Nachbarn vor und setzt die Kinder zum Fußballspielen auf dem Sportplatz ab.“ Denn deutsche Kontakte seien für die Asylsuchenden viel wichtiger als ein Lebensmittelladen vor Ort.

„Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.“

Um ein Zeichen zu setzen, beteiligt sich die Stadt Goslar an der Interkulturellen Woche, die seit 1975 jährlich Ende September in vielen Städten und Gemeinden bundesweit veranstaltet wird – in Goslar 2015 unter dem Motto: „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.“ Schirmherr ist diesmal Landrat Thomas Brych, Ansprechpartnerin Uta Liebau, Telefon 05321 / 43 769. Das bundesweite Programm ist unter www.interkulturelle-woche.de zu finden.

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region.

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